16. Juli 2026

Baden-Baden stärkt Zusammenarbeit als Gesundheitsstandort

Im Juli 2026 hat die Baden-Baden Tourismus GmbH (BBT) zum zweiten Mal das Sounding Board / Gremium „Gesundheitsstandort Baden-Baden“ einberufen. In diesem Gremium kommen zentrale Akteurinnen und Akteure des Gesundheitssektors zusammen, um die Zukunft Baden-Badens als Gesundheitsstandort gemeinsam zu gestalten.

Am Treffen nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Badeärztlichen Vereinigung, der Bäder- und Kurverwaltung, der Arbeitsgemeinschaft der Baden-Badener Kliniken e. V., der niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten, der CARASANA Bäderbetriebe GmbH sowie Forstamts und der Baden-Baden Tourismus GmbH teil. Im Rahmen der zweiten Sitzung des Sounding Boards wurden die Wichtigkeit der Prädikatisierung als Heilbad für Baden-Baden und als Erholungsort für Neuweier, die Neuausrichtung des Deutschen Heilbäderverbandes e. V. sowie Möglichkeiten der engeren Zusammenarbeit, die Leistungsfähigkeit ambulanter medizinischer und therapeutischer Versorgung der Stadt und die Entwicklung eines Kur- und Heilwaldes für die Stadt besprochen.

Mit 54 höher prädikatisierten Heilbädern und Kurorten gilt Baden-Württemberg als Bäderland Nr. 1 in Deutschland. Laut dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg, generieren sie knapp ein Viertel der Übernachtungen in Baden-Württemberg und bieten einen bedeutenden Mehrwert für den Tourismus in der gesamten Region. Die bundesweit repräsentative „Fortschreibung der Motiv- und Zielgruppenanalyse deutscher Heilbäder und Kurorte“ der Heilbäder und Kurorte Marketing GmbH Baden-Württemberg aus dem Jahr 2024 bestätigt die hohe Nachfrage nach gesundheitsfördernden Freizeit- und Urlaubsangeboten. „Das spüren wir auch in Baden-Baden, weshalb die langfristige Sicherung der Prädikatisierung als Heilbad für Baden-Baden und als Erholungsort für Neuweier einen hohen Stellenwert für uns hat“, betonte Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der Baden-Baden Tourismus GmbH.

Die staatliche Anerkennung Heilbad stellt in Deutschland die höchste Stufe der Prädikatisierung dar.  Das Prädikat fordert zwingend den Nachweis eines ganzheitlichen medizinisch-therapeutischen Kurortcharakters, wozu unter anderem vor allem auch die Kurparke zählen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe prüft in einem staatlichen Verfahren, ob diese Kriterien erfüllt sind. Grundlage dafür sind die „Begriffsbestimmungen – Qualitätsstandards für die Prädikatisierung von Kurorten, Erholungsorten und Heilbrunnen“ des Deutschen Heilbäderverbandes und für Erholungsorte des Deutschen Tourismusverbandes. Diese Standards gelten bundesweit als maßgebliche Referenz und stehen in engem Zusammenhang mit den Vorgaben des Kurortgesetzes. Im Rahmen des Verfahrens werden neben den ortsgebundenen natürlichen Heilmitteln die kurörtliche Infrastruktur, die landschaftliche Lage, das Klima, die Luftqualität und das touristische Angebot bewertet. Das Umweltamt der Stadt Baden-Baden informierte in der März-Sitzung des Forst-, Umwelt- und Klimaausschusses über das aktuell laufende Re-Prädikatisierungsverfahren. In dieser Sitzung wurde darüber berichtet, dass die Prüfung der Qualitätskriterien für die Re-Prädikatisierung Baden-Badens als Heilbad und Neuweier als Erholungsort erfolgt sind und dass der erneuten Verleihung im Jahr 2028 nichts im Wege steht.

Die Geschichte Baden-Badens als Kurstadt reicht bis in die Römerzeit zurück. Schon damals erkannten die Menschen die heilende Wirkung der Thermalquellen und legten damit den Grundstein für die spätere Blütezeit als einer der vornehmsten Kurorte Europas. Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Anerkennung von Kurorten stellte die Stadt Baden-Baden 1972 einen Antrag auf Bestätigung des Prädikats Heilbad, welches 1980 bestätigt wurde. Seit 2011 ist Neuweier darüber hinaus als staatlich anerkannter Erholungsort ausgezeichnet. 2021 wurde Baden-Baden außerdem als Teil der „Great Spa Towns of Europe“ in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen und untermauert damit den Status als internationale Bäderstadt. „Baden-Baden gilt als Inbegriff europäischer Bäderkultur mit einem qualitativ hochwertigen Freizeit- und Gesundheitsangebot, von dem sowohl die Gäste als auch die Einheimischen profitieren. Mit ihrem Angebot zieht die Stadt neben gesundheitsorientierten Besuchern auch Natur- und Kulturinteressierte an“, sagt Waggershauser.

Das deutsche Gesundheitssystem sieht sich großen Herausforderungen gegenüber, welchen die Neuausrichtung des Deutschen Heilbäderverbands e.V. Rechnung trägt. Ziel ist es die Rahmenbedingungen für Heilbäder und Kurorte nachhaltig zu verbessern. Auf Kostenerstattungssätze für Heilmittel, die Verschlankung der Prädikatisierungsprozesse, das Gewinnen und Halten von Badeärzten, das Präventionsgesetz und -strategien sowie Trend- und Zukunftsthemen wie Longevity stehen auf deren Agenda. Gesundheitspolitische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen, wie der demografische Wandel und begrenzte finanzielle sowie personelle Ressourcen machen Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland wichtiger denn je. „Die Neuausrichtung des nationalen Verbandes mit einer schlanken, agilen und zukunftsfähigen Struktur soll dazu beitragen, die Bedeutung von Heilbädern und Kurorten als kompetente, hochwertige Gesundheits- und Präventionszentren und wichtige Impulsgeber für Tourismus und Gesundheit auf Bundes- und EU-Ebene zu stärken“, informierte Nora Waggershauser das Gremium „Gesundheitsstandort Baden-Baden“. Sie steht mit Brigitte Goertz-Meissner, der Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes e.V. zu den Entwicklungen im engen Austausch.

Im Rahmen der Verbandsdebatte wurde auch die Situation der Badeärzte in Baden-Baden thematisiert. Frau Dr. med. Irmgard Tilemann, die Vorsitzende der Badeärzte wies darauf hin, dass fehlende Behandlungsmöglichkeiten in Baden-Baden und ausbleibende Verordnungsumsetzungen die Attraktivität des Standorts für Badeärzte deutlich mindern. Die Vertreter der Rehakliniken prüfen gemeinsam mit Frau Dr. med. Tilemann die Möglichkeiten der engeren Zusammenarbeit im Bereich der von Badeärzten verschriebenen Verordnungen.

Im Hinblick auf eine ganzheitliche Betrachtung des Gesundheitsstandorts Baden-Baden erläuterte Oliver Gahn-Schuster als Vertreter der niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten Problematiken bezüglich der Mobilität in Baden-Baden als Bestandteil der Gesundheitsversorgung. „Gesundheitstourismus kann dauerhaft nur dort erfolgreich sein, wo auch die medizinische Versorgung der eigenen Bevölkerung leistungsfähig ist“, sagte Gahn-Schuster. Er regte Verbesserungsmöglichkeiten der Rahmenbedingungen für medizinisch-therapeutische Leistungserbringer an. Dazu gehört beispielsweise die Erreichbarkeit medizinischer Einrichtungen für ältere, chronisch kranke oder mobilitätseingeschränkte Menschen, die Verfügbarkeit barrierefreier Praxisräume oder die Bereitstellung von Parkmöglichkeit bei ambulanten Versorgungen. Das Gremium beschloss dazu die Prüfung einer Bündelung medizinisch-therapeutischer Angebote in Form eines Zentrums in der Stadt sowie kommunale Regelungen zu Möglichkeiten im Bereich Mobilität.

Dass Spaziergänge im Wald unserer Gesundheit nachhaltig guttun, bestätigt das Anfang Juli 2026 veröffentlichte „Handbuch für Kur- und Heilwälder“ des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat des Landes Baden-Württemberg. Es dient als Grundlage um das Gesundheitsangebot im Wald weiterzuentwickeln. Demnach sind Kurwälder auf die Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung ausgerichtet, während Heilwälder ihren Fokus auf die therapeutische Behandlung von definierten Krankheitsbildern legen. Thomas Hauck vom Forstamt Baden-Baden regt erneut die Entwicklung eines „Kur- und Heilwaldes“ für die Stadt Baden-Baden an, um die positive Wirkung des Waldes gesundheitsfördernd und therapeutisch zu nutzen. Rico Lißner, kaufmännischer Leiter der Rehaklinik Höhenblick und Thomas Herrmann, Geschäftsführer der Dengler Klinik signalisierten ihre Unterstützungsbereitschaft für das Projekt.

„Mit dem Sounding Board / Gremium „Gesundheitsstandort Baden-Baden“ bündeln wir die Expertisen aller relevanten Partner im Gesundheitsbereich und schaffen einen offenen, praxisnahen Austausch“, sagt Nora Waggershauser. „In der zweiten Sitzung des Gremiums „Gesundheitsstandort Baden-Baden“ sind konkrete Projekte entstanden, an denen wir weiter gemeinsam arbeiten, um das Profil von Baden-Baden als Gesundheitskompetenzzentrum weiter zu stärken.“

Pressekontakt

Kommunikations-Team der BBT

Baden-Baden Tourismus GmbH

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